Neben Beckenbauer und Co. am Büfett stehen. Hummer und Haxen, Scampi und Spätzle speisen. Sich Kaviar und Kaiserschmarrn schmecken lassen, zwischendurch stilecht am Champagnerglas nippen. Und mit Profis über Technik, Tricks und Trends im Biathlon fachsimpeln. Beim Weltcup in Ruhpolding vom 9. bis 14. Januar 2007 wird der rote Teppich auch für Nicht-Prominente ausgerollt: Tageskarten ab 180 Euro öffnen Gästen die Tür zum riesigen VIP-Zelt, das sich über zwei Etagen direkt an der Loipe im Stadion erstreckt. Auf den besten Plätzen tummeln sich neben bekannten Sport-Stars auch Politiker und natürlich die Athleten selbst. „Gut möglich, dass man Rico Groß, Kati Wilhelm oder Ole Einar Bjoerndahlen trifft, die hier nach dem Wettkampf einen Happen essen“, sagt Martin Hasslberger, Vize-Präsident des Organisationskomitees und Tourismusdirektor von Ruhpolding. Einen besonders feinen Happen übrigens, denn in der VIP-Küche schwingt das eingeschworene Team der deutschen Kochnationalmannschaft den Löffel.
Damit der gesamte Weltcup so reibungslos funktioniert wie die exquisite Küchenmannschaft, bedarf es einer langen Vorbereitung. „Vor dem Weltcup ist nach dem Weltcup“, sagt Hasslberger. Und deshalb tagt das Organisationsteam schon kurz nach der letzten Siegerehrung – von der Logistik bis hin zur Zuschauerbetreuung liegt alles in den Händen der Gemeinde und des Ski-Clubs Ruhpolding, die den Event gemeinsam betreuen. 700 freiwillige, meist einheimische Helfer sind für die Großveranstaltung im Einsatz, die 1978 zum ersten Mal in Ruhpolding ausgetragen wurde. Der Aufwand ist enorm: Täglich strömen bis zu 25.000 Zuschauer in die Chiemgau-Arena und über 200 Journalisten berichten vor Ort über die Wettkämpfe.
Mittendrin im Trubel: rund 200 Spitzensportler, die samt Betreuerstab aus der ganzen Welt in das beschauliche Ruhpolding reisen. Weltcup, das bedeutet vor allem eins: Ausnahmenzustand. In dieser einen Woche im Jahr wird die Sperrstunde aufgehoben, damit die internationale Gästeschar rund um die Uhr feiern kann. Und während die Fans Party machen, sammeln die Athleten in den Hotels und Gasthöfen der Umgebung neue Kraft für den nächsten Tag. Star-Allüren? Fehlanzeige. „Biathleten sind sehr bodenständig“, sagt Hasslberger. Keine Suiten, keine Sonderwünsche, keine Hotel-Zimmer, die extra für die großen Namen des Trendsports umgebaut werden müssen.
Und das, obwohl Biathlon mittlerweile zu den attraktivsten Wintersport-Wettbewerben gehört. Die Kombination aus Schießen, Jagen und Langlaufen lockt mehr und mehr Zuschauer in die Stadien und auch vor den Fernseher. „Biathlon zählt zu den Sportarten mit den höchsten Einschaltquoten“, so der Organisator. Kein Wunder: Die deutschen Stars scheinen in nahezu allen Disziplinen, ob Massenstart oder Staffel, ein Abonnement auf das Siegertreppchen abgeschlossen zu haben. „Und außerdem ist Biathlon bis zum letzten Schuss an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten“, schwärmt Hasslberger. Die steigende Publicity wirkt sich auch auf die Organisation aus: Mittlerweile sind es nicht mehr die Sportler oder der Weltverband, die über den Ablauf der Wettkämpfe entscheiden, sondern der Fernsehsender mit den Übertragungsrechten. „Die Startzeiten der einzelnen Wettbewerbe müssen in den Sendeplan passen“, erklärt der Tourismusdirektor.
An Kameras, Mikros und Presseleute aus der ganzen Welt hat man sich mittlerweile auch in Garmisch-Partenkirchen gewöhnt. Beim 55. Internationalen Neujahrsskispringen drängen sich am 1. Januar 2007 rund 30.000 Zuschauer im Skistadion und unzählige Fans weltweit vor dem Fernseher. „Flieeeeeg“, hallt es durch die Wintersport-Metropole der Zugspitz-Region, wenn die Stars von der Olympiaschanze aus in den Himmel springen.
Während bei der Vierschanzentournee jeder Zentimeter zählt, geht es bei den bayerischen Meisterschaften im Hornschlittenrennen am 6. Januar eher um die Gaudi als um Rekorde. Auf pensionierten alpinen Arbeitsgeräten, den Werdenfelser Schlitten, rasen die tollkühnen Piloten in Viererteams eine 1200 Meter lange Eispiste herab und erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern. Was 1970 als Schnapsidee ins Leben gerufen wurde, lockt heute bis zu 5000 Zuschauer an die Piste. Ebenso wie in Unterammergau, wo es die blitzschnellen, nostalgischen Gefährte am 21. Januar beim Hornschlitten-Europacup auf der Naturrodelbahn zu bestaunen gibt.
Geht’s noch waghalsiger? Aber sicher: Am 24. und 25. Januar stürzen sich in Garmisch-Partenkirchen die weltbesten Ski-Abfahrer die rabenschwarze Kandahar herab. Während die riskanten Ritte auf der eisig präparierten Piste den Profis vorbehalten sind, kann beim König-Ludwig-Lauf am 3. und 4. Februar in Oberammergau jeder teilnehmen, der Spaß an Spuren hat. Deutschlands größter Volkslanglauf bittet sowohl Anhänger des freien als auch des klassischen Stils über 23 und 50 Kilometer in die Loipen der Ammergauer Alpen. Höhepunkt der Strecke ist die imposante Parkanlage von Schloss Linderhof, das sich Märchenkönig Ludwig II. einst hier errichten ließ.
Genauso anmutig wie das Märchenschloss erscheint die landschaftliche Kulisse des Weltcups im Rennrodeln, der vom 1. bis 7. Januar im Berchtesgadener Land ausgetragen wird. Die Elite misst sich im Eiskanal mit Blick auf den berühmten Königssee. Während die ersten fünf Wettkampftage ganz den Einsitzern gehören, rasen am 6. und 7. Januar die Zweierteams durch die Kunstrinne – übrigens die Heimstrecke von Rodel-Legende Georg Hackl. Je nach Disziplin meistern die furchtlosen Piloten bis zu 16 Kurven, die verheißungsvolle Namen wie Turbodrom und Schlangenwand tragen. Zuschauer können das spannende Spektakel hautnah an der Rennstrecke miterleben: das Donnern der herannahenden Schlitten und den eisigen Fahrtwind der Kufen-Flitzer. Auf den zahlreichen Großbildleinwänden entlang der Bahn lässt sich vom Start bis zum Finish das gesamte Rennen verfolgen. Übrigens: Tageskarten beim Weltcup kosten für Erwachsene 5 Euro. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.
Gleiche Preise gelten auch bei beim großen Weltcup-Finale vom 20. bis 25. Februar 2007. Am Fuße des imposanten Watzmanns kämpft die europäische Elite im Bob und Skeleton um die Titel. Mit am Start: Die Lokalmatadorin und neunmalige Weltmeisterin Susi Erdmann sowie die Olympiasieger von Turin 2006 André Lange und Sandra Kiriasis, die mit ihren Teams als hohe Favoriten gehandelt werden. Nervenkitzel ist beim Skeleton garantiert. Nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Athleten selbst: Bäuchlings mit dem Kopf nach vorn liegend, erreicht der Pilot auf den extrem flachen, massiven Stahlschlitten Geschwindigkeiten von bis zu 135 Stundenkilometern.
Keine Weltcup-Punkte, kein internationales Teilnehmerfeld, aber bis zu 20.000 jubelnde Zuschauer und spektakuläre Höhenflüge, bei denen Schlitten die Schwerkraft besiegen – das Gaißacher Schnablerrennen am 21. Januar im Tölzer Land muss sich hinter den großen Wintersport-Events in Oberbayern nicht verstecken. Nur Einheimische dürfen an Bord der Schnabler gehen – nachgebaute Exemplare der nostalgischen Hörnerschlitten, auf denen einst das Heu ins Tal gebracht wurde – und mit Schwindel erregendem Tempo über die 1,5 Kilometer lange steile, vereiste Strecke sausen. Ohne mechanische Bremsen oder sonstige Steuerhilfen. Im Ziel bereitet eine Naturschanze den hölzernen Gefährten einen zumeist spektakulären Abgang: Bis zu 25 Meter weit fliegen die Schlitten durch die Luft, um dann mit lautem Krachen zu Bruch zu gehen. Und die kühnen Piloten? Die genießen anschließend den wohlverdienten Applaus des Publikums.
Auf der Suche nach Adrenalin-Kicks werden Wintersport-Fans auch am Wendelstein fündig. Dort liefern sich die Stars und Profis der Freeride-Szene beim Finale des „Vertical Extreme“ am 3.und 4. März ein abenteuerliches Rennen. Skifahrer und Snowboarder stürzen sich in kleinen Gruppen die steilsten Pisten herab und trauen sich waghalsige Überholmanöver – so manchem Zuschauer dürfte hier der Atem stocken.