5 Reise-Tipps, die sofort Lust auf Schottland machen
Besondere Orte, starke Erlebnisse und echte Glücksmomente abseits des Mainstreams
Wind zerzaust die Gedanken, Weite macht den Kopf frei, und irgendwo zwischen Inselküste und Hochland fühlt sich alles plötzlich leichter an. Schottland ist ein Land für große Landschaften und kleine Glücksmomente. Für Orte, die staunen lassen, und Erlebnisse, die lange nachhallen.
Die folgenden fünf Reise-Tipps führen genau dorthin. Sie stammen aus dem Buch Glücksorte in Schottland und zeigen Plätze abseits der bekannten Routen. Mal wild und rau, mal leise und überraschend. Immer mit Charakter. Immer mit Seele.
Es geht um Wege, die entschleunigen, Begegnungen, die hängen bleiben, und Augenblicke, die zeigen, warum Schottland mehr ist als ein schönes Reiseziel. Fünf Tipps. Fünf Einladungen, sich ein bisschen zu verlieren. Und Lust machen am liebsten sofort aufzubrechen.
Inhaltsverzeichnis 5 Schottland-Erlebnisse
Inselhüpfen auf Rädern
Hebridean Way – Äußere Hebriden, Westschottland
Radreise über zehn Inseln zwischen Atlantik, Machair-Wiesen und weißem Sand
Ein kleines Buchwunder
The Book Shop, Wigtown – Dumfries and Galloway, Südwestschottland
Literarischer Glücksort im Herzen der schottischen National Book Town
Das Leben ist ein Ponyhof
Shetland Pony Experience, West Burra – Shetlandinseln
Begegnungen mit einer der ältesten Ponyrassen der Welt in rauer Küstenlandschaft
Am Nabel der Whiskywelt
Highlander Inn, Craigellachie – Speyside, Nordostschottland
Pubkultur und Single Malt dort, wo Schottlands Whiskygeschichte zu Hause ist
Highlander von damals
Highland Folk Museum, Newtonmore – Cairngorms, Zentralschottland
Alltag, Handwerk und Leben in den Highlands vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert
1. Inselhüpfen auf Rädern
Eine Fahrradtour auf dem Hebridean Way
Auf dem Weg von Vatersay, der südlichsten bewohnten Insel der Gruppe, bis zum hübschen Leuchtturm am Butt of Lewis werden sechs Dammstraßen und zwei Meeresengen per Fähre überquert. Höhepunkte entlang der Strecke sind die zauberhafte Felsenburg Kisimul in Castlebay auf Barra, die beeindruckenden Menhire von Calanais, Gin- und Whiskydestillerien auf Benbecula und Harris sowie traumhaft schöne Landschaftsstriche von den Hochmooren auf South Uist zum Traumstrand von Berneray. Entlang der Westküste der Inseln erstreckt sich außerdem ein fast ununterbrochener Streifen an saftig bunten Wildblumenwiesen, der sogenannte Machair, den es nur in Schottland und Irland gibt.
Die übliche Fahrtrichtung verläuft von Süden nach Norden, da der stetige Wind der Hebriden vorwiegend aus dem Süden und Südwesten bläst. Der ausgeschilderte Weg folgt den Haupt- und Nebenstraßen der Inseln. Zwar sind diese nicht unbedingt verkehrsreich, doch Radfahrer müssen trotzdem auf Autos Rücksicht nehmen – vor allem an den schmalen single-track roads, an denen Ausbuchtungen in regelmäßigen Abständen das Überholen ermöglichen.
Das Tourismusbüro der Inseln pflegt eine hilfreiche Webseite mit Reisevorschlägen und einem Verzeichnis der radfreundlichen Unterkünfte entlang der Strecke. Fahrradverleihe gibt es in Oban, auf Barra und in Lochboisdale auf South Uist. Fähren kreuzen von mehreren Inseln zum Festland über, sodass auch Teilstrecken möglich sind. Erfahrene Radler legen die Strecke gekonnt in sechs Tagen zurück. Es lohnt sich allerdings, den Hebridean Way gemütlich anzugehen. Die faszinierenden Geschichten und die einzigartige Kultur der Hebriden laden dazu ein, länger auf den Inseln des Westens zu verweilen.
Info:
Der Hebridean Way von Vatersay bis zum Butt of Lewis
visitouterhebrides.co.uk/hebrideanway
ÖPNV:
Diverse Festlandverbindungen mit CalMac-Fähren, calmac.co.uk
Buchtipp Schottland
Die hier vorgestellten fünf Tipps stammen aus dem Reiseführer Glücksorte in Schottland. Kathi Kamleitner und Dörte Nohrden porträtieren darin 80 besondere Orte zwischen rauen Inselküsten und sanften Highlands. Der Band verbindet Naturerlebnisse, lebendige Geschichte und kulinarische Entdeckungen und lädt dazu ein, Schottland abseits der bekannten Pfade zu erleben.
Bibliografische Angaben:
Kathi Kamleitner, Dörte Nohrden: Glücksorte in Schottland. Fahr hin und werd glücklich. Droste Verlag, 168 Seiten, EUR 16,00 (D), ISBN 978-3-7700-2659-3
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2. Ein kleines Buchwunder
The Book Shop im Literatur-Mekka Wigtown
Wer sich im The Book Shop umschaut, wähnt sich in der Hogwarts-Bibliothek. Zwar gibt es weder eine Drachen- noch Unsichtbarkeitsabteilung wie bei Harry Potter, dafür Bücher zu allen nur denkbaren Themen. Über knarrende Holzböden wandelt man durch neun labyrinthische Räume und staunt über die Fülle gut sortierter, bis an die Decke reichender Bücherregale.
In Erkern und Winkeln stapeln sich Fachbücher und Schmöker über Geografie und Geschichte, schottische Lyrik bis hin zu Angel-, Garten- oder Eisenbahnliteratur. Mit gut 100.000 Werken gilt The Book Shop als größte Secondhand-Buchhandlung Schottlands. Jedes einzelne Werk geht durch die kritisch kuratierenden Hände des Ladenbesitzers Shaun Bythell. Er wuchs auf einer Farm unweit des 1000-Seelen-Küstenorts auf. Erst 31 Jahre jung, erwarb er vor 25 Jahren das georgianische Haus samt Buchbestand und darüberliegender Wohnung. Der Vorbesitzer führte den Laden bereits 30 Jahre lang, was diesen zum ältesten im Dorf macht – nicht aber zum einzigen. Es sind knapp ein Dutzend.
Nachdem Ende der 1980er-Jahre die ansässige Molkerei und später die Whiskydestillerie schlossen, suchten viele Wigtowner anderswo ihr Glück. Über 80 Häuser standen leer, das Dorf drohte auszusterben. Doch das Schicksal wendete sich zum Guten. Beim Wettbewerb um den Titel als „National Book Town“ 1998 erhielt der verschlafene Ort den Zuschlag. Bereits ein Jahr später organisierten engagierte Büchermenschen das erste zehntägige Wigtown Book Festival, das seither alljährlich Tausende Lesebegeisterte aus aller Welt nach Dumfries and Galloway zieht.
Shaun ist natürlich mit von der Partie. Nicht nur als Buchhändler und Organisator – längst ist er selbst Bestsellerautor. So stapeln sich neben historischen lateinischen Wälzern seine druckfrischen „Tagebücher eines Buchhändlers“, in denen er mit herrlich trockenem Humor seinen Alltag inmitten schrullig-skurriler Kunden beschreibt und mit Worten ein wunderbares Bild von Land und Leuten zeichnet.
Info: The Book Shop, 17 North Main Street, Wigtown, Newton Stewart DG8 9H
Tel. +44 (19 88) 40 24 99, the-bookshop.com
ÖPNV: Haltestelle North Main Street
3. Das Leben ist ein Ponyhof
Die Shetland Pony Experience auf Burra
Kaum ein Tier versinnbildlicht die nördlichen Shetlandinseln so sehr wie das zottelige Shetlandpony. Die Rasse gibt es seit Tausenden von Jahren. Die genügsamen Ponys sind an das raue Klima der Moore und Hügel Shetlands ideal angepasst und verbringen das ganze Jahr draußen an der frischen Luft. Im Winter hält sie ein extradickes Winterfell warm, im Sommer schlagen sie sich den Bauch mit Wildblumen voll.
Im 19. Jahrhundert wurden die Ponys fleißig exportiert und vor allem in britischen Kohlegruben als Lasttiere eingesetzt. Dank ihrer bescheidenen Größe passten sie durch die engen Tunnel der Bergwerke. Erstaunlich ist ihre Kraft, denn sie können das Doppelte ihres Eigengewichts ziehen. Heute werden Shetlandponys hauptsächlich aus Liebhaberei und als Reittiere für Kinder gezüchtet. Auch in Shetland wird diese Tradition weitergeführt. Die Ponys sind kreuz und quer über die Inseln verteilt. Auf Unst gibt es besonders viele Herden. Meistens lassen sie sich jedoch nur aus der Ferne beobachten.
Nicht so auf dem Merkisayre-Shetlandponyhof auf der Insel West Burra. Hier wird seit den 1990ern gezüchtet und Kinder können Reitunterricht nehmen. Um auch Erwachsenen den hautnahen Umgang mit den zotteligen Ponys zu ermöglichen, riefen die Züchterinnen Elaine und Barbara Tait die Shetland Pony Experience ins Leben. Von Mai bis September können Teilnehmende an drei interaktiven Stationen persönliche Erfahrungen mit den Tieren machen.
In der Reithalle wird gestriegelt und anschließend ein Hindernisparcours überwunden. Bei einem kurzen Spaziergang werden die Ponys an einen Sandstrand geführt – der ideale Fotostopp. Und auf der Weide darf man unter den wachsamen Augen der Stuten mit klitzekleinen Fohlen kuscheln. Elaine und Barbara plaudern zudem aus dem Nähkästchen und erzählen Geschichten über ihre preisgekrönten Ponys. Es ist ein Erlebnis, das zum Shetlandglück einfach dazugehört.
Info: Shetland Pony Experience, Bannamin Papil, Bridge-End, Burra, Shetland ZE2 9UY
Tel. +44 (15 95) 85 91 24, theshetlandponyexperience.com
4. Am Nabel der Whiskywelt
Zu Gast im Pub Highlander Inn in Craigellachie
Es ist einer dieser Orte, an denen man sich sofort willkommen und zuhause fühlt: das Pub The Highlander Inn im Dörfchen Craigellachie im Herzen von Moray Speyside. Ein paar Schritte entfernt bahnt sich der River Spey seinen Weg zur 30 Kilometer entfernten Nordsee. In dieser fruchtbaren Region gedeiht seit jeher beste Gerste, die – gemälzt, gemaischt und gebrannt – seit Jahrhunderten in Whisky verwandelt wird. Ein Drittel der rund 150 Destillerien Schottlands liegt hier in Speyside, darunter bekannte Brennereien wie Glenfiddich, Glenlivet oder Balvenie.
Kein Wunder, dass das Pub Kennerinnen und Kenner sowie Genießerinnen und Genießer aus aller Welt anlockt. Über 300 Whiskysorten schimmern bernsteinfarben in den Regalen. In zwei verschlossenen Vitrinen oberhalb einer Sitznische schlummern besonders edle Tropfen. So kann ein Gläschen Glen Grant, destilliert im Jahr 1952, bei stolzen 170 Pfund liegen. Zu den erschwinglicheren Sorten gehört etwa der beliebte Craigellachie 13 aus der gleichnamigen Destillerie unweit des Pubs. Er verströmt feine Aromen von Orange, schmeckt nach Karamell und hinterlässt eine zimtige Note.
Überraschend ist zudem die Vielzahl japanischer Whiskys wie Yamazaki oder Ichiro’s. Dies liegt nicht zuletzt am Besitzer des Highlander Inn. Schon lange bevor der gebürtige Japaner Tatsuma Minagawa das Gasthaus 2015 vom Vorgänger Duncan Elphick übernahm, arbeitete er als Bar-Manager des Pubs und gilt als Whiskyexperte mit Leib und Seele.
In ungezwungener Atmosphäre kommen Stammgäste wie Reisende an Tresen und Tischen zusammen. Nicht zuletzt, um sich am deftigen Pub-Food zu laben. Neben klassischen Fish and Chips stehen hausgemachte Suppen, Steak Pie oder Burger auf dem Menü. Die mit Karostoffen überzogenen Sitzpolster betonen das schottische Ambiente, ein roter Teppich schafft Behaglichkeit. Und wer mag, kann sich gleich einquartieren. Acht individuelle Zimmer stehen für – womöglich etwas beschwipste – Gäste bereit. Am Morgen wartet schon ein herzhaftes Frühstück.
Info: The Highlander Inn, 10 Victoria Street, Craigellachie, Aberlour AB38 9SR
Tel. +44 (13 40) 88 14 46, whiskyinn.com
ÖPNV: Haltestelle Victoria Street
5. Highlander von damals
Ein Besuch im Highland Folk Museum
Seit Jahrhunderten befasst sich die Menschheit mit der Frage, welche Dinge ins Museum gehören. Gemälde, Kunsthandwerk und archäologische Funde sind dabei unumstritten. Doch wie sieht es mit Alltagsgegenständen aus? Die Ethnografin Isabel Frances Grant war bereits im frühen 20. Jahrhundert davon überzeugt, dass auch Dinge des täglichen Gebrauchs einen Platz im Museum verdienten. Sie reiste quer durch Schottland, fotografierte Highlander im Alltag und sammelte Objekte wie Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und Spielsachen, die normalerweise keinen anderen Zweck erfüllten als den praktischen.
1930 kuratierte sie damit die erste „Highland-Ausstellung“ in Inverness. Fünf Jahre später eröffnete sie in einer kleinen Kirche auf Iona das erste Highland Folk Museum. Sie nannte es „Am Fasgadh“, gälisch für Schutzraum. Sinn und Zweck war es, die verschwindende Hochlandkultur, die von der englischsprachigen Oberklasse oftmals verpönt wurde, vor der Vergessenheit zu bewahren. Der Platz in der Kirche reichte nicht lange, das Museum siedelte um nach Kingussie am Rande der Cairngorms.
Seit 1995 befindet sich die Sammlung auf einem riesigen Areal im Nachbardorf Newtonmore. Das Museum bietet von April bis Oktober einen Einblick ins traditionelle Leben der Highlander vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis. Zu den Artefakten gesellten sich ganze Gebäude aus verschiedenen Ecken der Highlands, die sorgfältig abgetragen und auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut wurden. Dazu zählen eine Schule aus Knockbain, ein Shinty-Pavillon aus Foyers, eine Kirche aus Culloden, mehrere Handwerkstätten und ein traditionelles Bauernhaus, ein sogenanntes Croft.
Ein weiterer Höhepunkt ist der originalgetreue Nachbau einer traditionellen Blackhouse-Siedlung inmitten eines hübschen Kiefernwäldchens. Die Reetdächer bestehen hier aus Heidekraut. Ohne Grants Pioniergeist wären solch kostbare Aspekte der Hochlandkultur vielleicht verloren gegangen.
Info: Highland Folk Museum, Kingussie Road, Newtonmore PH20 1AY
Tel. +44 (13 49) 78 16 50, highlifehighland.com/highlandfolkmuseum
ÖPNV: Bahnhof Newtonmore und Haltestelle Balavil Sport Hotel
Die Autorinnen
Kathi Kamleitner ist freie Autorin und Podcasterin. Seit 2013 lebt sie als Wahl-Schottin in Glasgow. Am glücklichsten fühlt sie sich in der Stadt oder tief in den Highlands. Im Droste Verlag veröffentlichte sie bereits „Glücksorte in Edinburgh“ und „Glücksorte in Glasgow“.
(Foto: Kathi Kamleitner privat)
Dörte Nohrden arbeitet als freie Autorin und Journalistin und lebt in Hamburg. Seit 2011 reist sie regelmäßig nach Schottland. Für „Glücksorte in Schottland“ war sie acht Wochen am Stück im Land unterwegs. Ebenfalls im Droste Verlag erschienen von ihr „Radeln für die Seele. In und um Hamburg“ sowie „Radeln für die Seele. Holsteinische Schweiz“.
(Foto: Manuela Himmelreich)
Lesetipp zum Artikelende
Die fünf ausgewählten Schottland-Erlebnisse entstammen dem Reiseführer Glücksorte in Schottland. Darin nehmen Kathi Kamleitner und Dörte Nohrden Leserinnen und Leser mit zu 80 Orten, die berühren, überraschen und glücklich machen. Der Band spannt den Bogen von den Shetlandinseln bis in die Borders und erzählt von Natur, Kultur und kleinen Momenten des Glücks abseits der klassischen Routen.
Bibliografische Angaben:
Kathi Kamleitner, Dörte Nohrden: Glücksorte in Schottland. Fahr hin und werd glücklich. Droste Verlag, 168 Seiten, EUR 16,00 (D), ISBN 978-3-7700-2659-3
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