Insel Møn Dänemark

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Insel Møn: Dänemarks wilde Seite

Unter spektakulären Kreidefelsen, mit liebenswerten Kühen oder im sparsamen Licht funkelnder Sterne wandern – auf der Insel Møn bewegt man sich in schönster Natur

Aus hundert Sorten Grün und Gelb ist der Flickenteppich gewoben, der mit Feldern, Weiden, Waldstücken die gut 200 Quadratkilometer Møns bedeckt. Immer wieder von einsamen Gehöften oder Ortschaften in bescheidenen Ausmaßen durchbrochen und von den Wogen der Ostsee umspült. Über Brücken und Dämme mit seinen direkten Nachbarn Seeland, Nyord, Bogø und Falster verbunden, reiht sich das Eiland in den gewaltigen Inselschatz Dänemarks – und das, gefühlt, kaum mehr als einen Steinwurf von der Küste Mecklenburgs entfernt.

Als Feriendestination steht Møn hoch im Kurs, bei Urlaubern aus dem kleinen skandinavischen Königreich nicht weniger als bei Gästen aus dem Ausland. Sie breiten am flach abfallenden Strand von Ulvshale ihr Badetuch aus, genießen die Ruhe der Insel beim Radeln, erleben die „Hauptstadt“ Stege beim Flanieren durch mittelalterliche Gassen oder statten dem Winzlingseiland Nyord einen Besuch ab, um auf flachen Marschwiesen große Vogelschwärme zu beobachten. Am Fanefjord stehen sie ebenso staunend vor Grønsalen, dem 5500 Jahre alten Dolmengrab, wie einige Meter weiter in der Fanefjord Kirke vor den Kalkmalereien des Elmelundemeisters, einem unbekannten Künstler des ausklingenden 14. Jahrhunderts, der seine Fresken auch in den Kirchen von Elmelunde und Keldby für die Nachwelt hinterließ.

Und dann gibt es da natürlich noch Møns wilden Osten, der wahre Urlauberscharen zum Kommen mobilisiert: Møns Klint, eine von Dänemarks Hauptattraktionen. Auf sechs Kilometern begleiten die sagenhaften Kreideklippen den Saum des Meeres, und 128 Meter ragen sie in die Höhe, bedeckt von Buchenwald, der wie eine pelzige Mütze auf den steilen weißen Wänden sitzt. Eine bizarre Landschaft, Wind, Wetter und Brandung schutzlos ausgeliefert und daher immerzu im Wandel.

Ein Schlösschen (nicht nur) für Verliebte

Im Norden der Kreidefelsen liegt hoch über dem steinigen Strand Liselund Park, vom Menschen geschaffen und voller Romantik – das absolute Kontrastprogramm zum ungestümen, ungebändigten Charakter der Küste. Was hier Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Moor- und Waldgebiet Sømarkegaard entstand, ist ein Sehnsuchtsort voller Poesie, eine Liebesgabe von Antoine de la Calmette, Amtmann von Møn, für seine Frau Lisa. Das weitgereiste Paar ließ auf seinem 1783 erworbenen Grund roden, dränieren und mit einer sichtbaren Detailverliebtheit säen und pflanzen. Es gestaltete einen zauberhaften Garten inmitten dichten Waldes, eine vielseitige Landschaft, in der Seen, Schluchten und Wasserfälle einen Platz einnehmen.

Von drei Seiten eng von Bäumen umstanden, thront das reetgedeckte neoklassizistische Lustschlösschen der Calmettes auf einer Anhöhe. Seine Vorderseite schaut in eine offene Parklandschaft mit fließenden Rasenflächen, auf denen Entenmütter ihren flaumigen Nachwuchs zu ausgedehnten Spaziergängen ausführen. Doch längst nicht das ganze Areal des Gartens offenbart sich von hier oben. Die Besucher folgen den gekiesten Wegen über das satte Grün der Hügel und entdecken peu à peu die exotischen Gebäude, die sich über den Park verteilen: die Schweizerhütte, das Norwegische Haus, die Chinesische Laube im Pagodenstil oder die als Holzstapel getarnten Außenklos. Für eine Verschnaufpause setzt man sich nur zu gern auf eine der Bänke am Teich in der Parkmitte, inhaliert den Duft frisch gemähten Grases und sieht zu, wie Bienen und Schmetterlinge im Uferbewuchs nach Nektar suchen.

In Wanderschuhen auf und unter den Klippen

Von Liselund Park führt eine Treppe durch die Djævlekløften Schlucht hinunter ans Meer. So wie hier verbinden Richtung Süden weitere Treppen das Oben mit dem Unten, wobei diejenige am Maglevands Fald mit 497 Stufen die längste ist. Wahrscheinlich ist sie auch die meistbenutzte, denn gleich nebenan liegt das moderne GeoCenter, dessen erlebnisreiche Ausstellung im Sommerhalbjahr jede Menge Wissen über Møns Klint vermittelt. So auch über den Ursprung dieser Natursensation, die in einer 70 Millionen Jahre zurückliegenden Vergangenheit ruht, als ein tropischwarmes Meer Dänemark bedeckte. Ein Meer, in dem sich eine halbe Ewigkeit lang die Kalkschalen abgestorbener winzigster Algen am Boden zu einer dicken Kreideschicht ablagern konnten – lange bevor die Gletscher der letzten Eiszeit Bulldozern gleich riesige Schollen vom alten Kreidemeerboden, der sich im Laufe der Erdgeschichte aus dem Wasser erhoben hatte, abschälten und zusammenschoben.

„Betreten auf eigene Gefahr“ – am Maglevands Fald weisen Warnschilder auf die dynamische Natur der Klippen und damit auf die immer wieder stattfindenden, oft durch Frost und Regen ausgelösten Erdrutsche hin. Entsprechend haben wir einen geeigneten Schönwettertag gewählt, um die 2,3 Kilometer lange Wanderung zu wagen, die hier an den Treppen beginnt, unten am Strand entlang bis zum nächsten Aufstieg am Gråryg Fald und schließlich oben auf der Klippe durch den Wald zurück zum Ausgangspunkt führen soll. So der Plan.

Es ist noch früh am Morgen und fast menschenleer, als wir die fast 500 Holzstufen ganz kommod abwärts stiefeln, sogleich vereinnahmt von der Welt des Buchenwalds, in dem sich Vogelstimmen unter das leise Rauschen des Meeres mischen und erste schöne Aussichten unseren Schritt beschleunigen. Unten angekommen dann die Enttäuschung: Aus dem geplanten Rundweg wird heute nichts. Und auch nichts aus der Fossiliensuche am Strand. Der Wind hat sich nämlich mit der im Grunde schwachen Flut verbündet und in weiten Teilen das Ostseewasser bis an den Fuß der Felsen gedrückt. Wir stehen eine Weile stumm vor Ehrfurcht auf einem trockenen Fleck, folgen mit den Augen den sich über uns auftürmenden Kreidewänden, die traumschön im hellen Sonnenlicht baden, bevor wir zurückgehen, wie wir gekommen sind.

Wieder oben auf dem Treppenabsatz folgen wir der vorgesehenen Route zum Gråryg Fald jetzt auf dem Klippenrand, während, geschützt durch ein Geländer, neben uns der Abgrund gähnt. Am Aussichtspunkt Freuchens Pynt geht der komfortable Holzsteg, auf dem wir die letzten 270 Meter gelaufen sind, in das anspruchsvolle Auf und Ab eines Waldpfads über, der einen über armdicke Baumwurzeln weiter hinein ins schattige Grün und Braun des Waldes lotst und mit herrlichen Ausblicken beschenkt.

Naturerleben bei Tag und in der Nacht

So einzigartig Møns Kreidefelsen sind, so wertvoll ist auch ihr Hinterland. Der Wald. Und die Weiden, auf denen grasendes Vieh die Landschaft offenhält. „Die Kühe erledigen die Arbeit, die sonst der Mensch machen müsste, und das deutlich schonender“, erzählt Inger Marie Scavenius auf einer ihrer Kuh-Safaris. Zusammen mit ihrem Mann engagiert sich die Gutsbesitzerin im Natur- und Klimaschutz, für den sie einen Teil ihrer Acker- in Weideflächen umgewandelt hat, und begleitet Gäste auf lehrreichen Touren an den Südrand des Waldes Klinteskoven. Wo ihre Herde braunweißgefleckter Hereford-Rinder sommers wie winters mit exklusivem Meerblick über die Hügel wandert und durch ihr natürliches Verhalten Lebensraum für seltene Flora und Fauna schafft.

Møns Natur ist ein Erlebnis. Und das nicht nur hier und nicht nur am Tag. Schließlich wurden die Insel und ihr Nachbar Nyord als Gebiete mit geringer Lichtverschmutzung und einmaligem Sternenhimmel 2017 als erster Dark Sky Park Skandinaviens prämiert. Worauf man auf Møn mächtig stolz ist. Zu Recht. Denn „die Bewahrung einer natürlichen Dunkelheit, wie es sie in ferner Vergangenheit einmal gab, nutzt dem Wohlbefinden von Mensch, Tier und Pflanze gleichermaßen“, wie die Biologin Susanne Rosenild erklärt. Und ermöglicht Einheimischen und Urlaubern von zahlreichen Standorten den Blick auf ein gigantisches Feuerwerk am klaren Nachthimmel, wo je nach Jahreszeit und Wetterlage das breite Lichtband der Milchstraße und ihre Nachbargalaxis, die Andromeda-Galaxie, Sternschnuppen, Meteoritenregen und leuchtende Wolken auftauchen. Aber auch bedeckte Nächte haben’s in sich. Dann nimmt die versierte Naturführerin Susanne Gäste mit auf eine „leise“ Wanderung in den alten, urtümlichen Wald Ulvshale Skov im Norden Møns, wo in längst vergessenen Zeiten Wölfe und Bären hausten. Und wo man heute im Stockfinsteren, die Geräusche unsichtbarer Tiere und Pflanzen im Ohr, ein unvergessliches, aber ungefährliches Abenteuer erleben kann. Ein bisschen Grusel inklusive.

Text und Fotos: Sabine Mattern

Informationen

Reisezeit

Die beste Zeit zum Urlaubmachen auf Møn ist zwischen Frühling und Herbst.

Übernachten

„Villa Huno“ in Borre: ruhige Lage direkt am Hunosø, die acht modern eingerichteten Apartments haben Balkone und große Panoramafenster mit Seeblick.
Zu der geschmackvollen Gästeunterkunft der Familie Scavenius gehört ein Restaurant, wo das Fleisch der eigenen Hereford-Rinder auf den Teller kommt.
https://villahuno.com

Aktivitäten

Liselund Park ist ganzjährig geöffnet, das Schloss kann im Rahmen einer geführten Tour von Mai bis September besichtigt werden; https://natmus.dk
Kuh-Safari (in englischer Sprache buchbar): ca. 1000 DKK, abhängig von Personenzahl und Dauer; info@villahuno.com
Nachttouren mit Susanne Rosenild (in englischer Sprache buchbar): ca. 1550 DKK für 1-1,5 Stunden; www.naturguidemoen.dk

Weitere Infos

www.visitdenmark.de
www.danischeostseeinseln.de

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