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Insel Gomera - Pfeifen im Lorbeerwald

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La Gomera: Pfeifen im Lorbeerwald

Hippies und Wanderer sind willkommen auf der kleinen Kanaren-Insel

Heute noch gibt es sie auf La Gomera, der zweitkleinsten der acht spanischen Kanareninseln vor der Küste Westafrikas, die ausgeflippten Abenteurer mit ihren Bongos zwischen den Knien und einer Gitarre unter dem Arm. Dort leben sie wie damals in den Tag hinein. Abends machen sie an den Stränden und in der Hafenkneipe von Vueltas so richtig Stimmung.

Inzwischen sind sie älter geworden, kleiden sich aber immer noch jugendlich. Dabei schreiten die Damen in wallenden Kleidern und umhüllt von einer Wolke schwerem Patschuli-Duft über die Ladenstraße des Hafenstädtchens. Ab und an verschwinden sie in ihren Töpferstuben, um Nachschub für die Marktstände zu holen. Töpfern, Schmuckherstellung und die Käserei von exotischen Sorten sorgen oftmals für ein Zubrot der ausgewanderten Lebenskünstler und stellen das typische Flair im Valle Gran Rey her, das bereits seit mehr als vier Jahrzehnten besteht.

Legendäres Valle Gran Rey

Das „Valle“, wie es alle nennen, ist das größte der zahlreichen Vulkantäler, die von der Spitze des 1487 Meter hohen Garajonay, dem höchsten Zentralberg der Insel, nach unten zum Atlantik abfallen. Es ist nach wie vor legendär. Sowohl für die einst mittellosen Hippies als auch für reiche Amerikaner, die der Trump-Ära entfliehen wollen, bietet die wenige Kilometer vor der Küste Westafrikas gelegene Insel alles, was sich ein moderner Reisender wünschen mag.

Golf-Touristen beispielsweise können im malerisch auf einer Atlantikklippe gelegenen Golfresort Hotel Gardin Tecina ihren Urlaub verbringen und von dort auf die inzwischen gar nicht mehr so mittellosen Hippies im Valle herabblicken. Diese waren zumeist als blutjunge Blumenkinder in den 1980ern ins königliche „Valle“ gepilgert, dem Sehnsuchtsort des freien und zwanglosen Lebens, nach dem sich die Töchter und Söhne – allerdings zumeist aus gutem Hause stammend – sehnten.

Unzählige Wanderwege durch Täler und Schluchten

Insgesamt ist der Inselcharakter mit dem stetig von der Feuchtigkeit der Passatwinde gewässerten, urtümlichen Lorbeerwald auf dem zentralen Berggipfel La Gomeras genau das, was die vielen Wanderer von überall her suchen und schätzen. Die zahlreichen Wanderwege – es gibt detaillierte Karten für Wanderrouten und Fahrradstrecken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden – münden bergauf alle im Nationalpark Garajonay. Der 4000 Hektar große Nationalpark verläuft rund um die etwa 1400 Meter hohe Inselspitze. Inzwischen gut ausgebaute Landstraßen ermöglichen eine leichte Erreichbarkeit mit dem Auto.

Ein Muss ist das sorgfältig gestaltete Informations- und Besucherzentrum des Parks in Juego de Bolas. Es empfiehlt sich, mit dem Wagen hinzufahren und sich vorab über Routen und die ökologische Bedeutung des Areals zu informieren, um dann mit Rucksack und Wanderstock einzelne der unzähligen Wanderwege durch Täler, Schluchten und malerische Kleinode wie die Örtchen Alajeró und Hermigua zu erkunden.

Wer eine Rast einlegen und gleichzeitig einen typisch gomerischen Wein verkosten möchte, sollte in der Bodega Altos de Chipude in Vallehermoso haltmachen. Hier führt Gloria Negrin das Zepter und bewirtschaftet mit Javier de Tena eine Reihe von Weinbergen in der nahen Umgebung. Sie freut sich natürlich über Gäste, die ihren roten La Montaña bei Käse und Schinken probieren möchten.

Pfeifen als Kommunikationsmittel

Die schluchtenreiche Topographie der auch heute noch in Zeiten des Massentourismus eher abgelegenen Insel La Gomera zwingt immer wieder zu Auf- und Abstiegen, die an den Kräften zehren. Das sollten Wanderinnen und Wanderer keinesfalls unterschätzen.

Das galt auch für die Gomeros. Sie behalfen sich als Mittel der drahtlosen Kommunikation über die weiten Schluchten hinweg mit einer Pfeifsprache namens „El Silbo Gomero“, die heute zum Weltkulturerbe zählt. Sie wird heute wieder in einer Vielzahl von Vereinen wie der „Asociación Cultural Silbo Gomero“ gelehrt und ist sogar Unterrichtsfach in den Schulen.

Erinnerungsorte an den berühmten Entdecker

In der Tat war und ist Silbo sehr nützlich. In den Bergen ist es absolut einsam und im silbern schillernden Lorbeerwald mag es bei einiger Fantasie fast so erscheinen, als ob die Zeit stehen geblieben ist und ein Gomero aus dem Stammesgebiet der Mulagua von der Bergspitze aus dem im September 1492 nach Westen in Richtung Amerika davon segelnden Kolumbus auf der Santa Maria hinterherschaut.

Natürlich gibt es viele Erinnerungsorte an den berühmten Entdecker. Sie heißen „Monumentos Colombinos“ und konzentrieren sich im Stadtzentrum der Hafenstadt San Sebastián. Beginnen sollte man mit der sehenswerten Kirche „Nuestra Senora de la Asunción“, die den katholischen Weltenfahrern seit der Entdeckerzeit – damals war sie noch eine bescheidene Kapelle – geistlichen Zuspruch mit auf die Reise gab.

Text/Fotos: Wolfgang Schumacher

Transparenzhinweis: Die Reise wurde organisiert vom Spanischen Verkehrsamt München (Turespaña). 

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