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Costa Brava nachhaltig

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10 Orte an der Costa Brava, die zeigen, wie nachhaltiger Tourismus funktionieren kann

Das blaue Wunder: Warum die Costa Brava hinter dem Strand beginnt

Für viele beginnt die Costa Brava im Nordosten Spaniens mit einem Klischee: Sangria aus Eimern, blinkende Neonreklamen und Partynächte in Lloret de Mar. Der Badeort hat das Bild der Region über Jahrzehnte geprägt. Die „Wilde Küste" Kataloniens setzte lange auf ein einfaches Prinzip: so viele Gäste wie möglich in den Sommermonaten. Der wirtschaftliche Erfolg hatte seinen Preis: Viele Küstenorte wuchsen rasant, die Natur musste vielerorts dem Beton weichen.

Doch die Costa Brava verändert sich. Vor den Medes-Inseln bei L'Estartit setzen Fischer gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern künstliche Brutkästen für Sepien aus. Die Tintenfischart soll sich so im Mittelmeer wieder stärker vermehren. Wenige Kilometer weiter, bei der Torre d'en Mornau, fliegt wieder der Waldrapp. Die Vogelart galt in Europa lange als ausgestorben. Ihre Rückkehr ist das Ergebnis eines aufwendigen Wiederansiedlungsprojekts.

An vielen Orten lässt sich beobachten, dass die Region ihren Tourismus neu ausrichten möchte. Kommunen, Naturschutzorganisationen, Winzerbetriebe und Hoteliers treiben diese Neuausrichtung voran. Ihre Projekte sollen die Natur schützen, die regionale Wertschöpfung stärken und Gäste auch außerhalb der Hauptsaison in die Region bringen.

Beispiele gibt es viele: eines der ersten Hotels Europas mit LEED-Gold-Zertifizierung. Das internationale Siegel gilt als einer der strengsten Standards für nachhaltiges Bauen und Betreiben von Gebäuden. Hinzu kommen Weinbau im Naturpark Cap de Creus, ehemalige Bahntrassen, die heute als Radwege genutzt werden, oder Fischereiprojekte, die Forschung und traditionelle Handwerksbetriebe zusammenbringen. Doch ist das mehr als geschicktes Tourismusmarketing?

Fernweh.de hat zehn Orte besucht, an denen sich beobachten lässt, wie die Costa Brava Tourismus und Naturschutz miteinander verbinden will.

1. Girona – Wo die Stadt selbst das Programm ist

Die mittelalterliche Altstadt von Girona zeigt, dass Tourismus und gelebter Alltag gut zusammenpassen können

Einmal im Jahr, am 23. April, gehören die Gassen der Altstadt den Einheimischen. Sant Jordi, der katalanische Tag der Bücher und Rosen, verwandelt Girona in ein Fest, das niemand für Touristen erfunden hat. Es war schon immer so. 

Girona lebt von dem, was längst da ist. Die mittelalterliche Kathedrale mit ihrem außergewöhnlich breiten gotischen Kirchenschiff prägt die Altstadt ebenso wie die ockerfarbenen Häuser am Fluss Onyar und das jüdische Viertel El Call mit seinen engen Steingassen. Verändert hat sich vor allem die Art, wie Besucherinnen und Besucher durch die Altstadt geführt werden. Die Routen der Associació de Guies de Girona verlaufen bewusst durch weniger besuchte Gassen und über ruhigere Plätze. So werden die meistbesuchten Bereiche der Altstadt entlastet.

Nach dem Rundgang geht es ins El Foment, ein Kulturzentrum mitten in der Altstadt. Das Restaurant La Fonda serviert katalanische Küche, die sich konsequent an der Saison orientiert. Im Frühjahr stehen etwa Artischocken aus dem Empordà oder frischer Fisch aus dem Mittelmeer auf der Speisekarte. Was gekocht wird, richtet sich nach dem Angebot der Region.

Was hier anders läuft

Die Routen der Stadtführungen von „Associació de Guies de Girona" führen bewusst durch weniger besuchte Gassen und Plätze. So verteilt sich der Besucherstrom besser innerhalb der Altstadt. El Foment mit seinem Restaurant La Fonda arbeitet ausschließlich mit regionalen und saisonalen Produkten. Die meisten Lieferanten stammen aus der Provinz Girona.

Wer hin möchte...

Girona liegt nur wenige Kilometer von der Costa Brava entfernt und lohnt auch als eigenständiges Reiseziel. Der Flughafen Girona Costa Brava ist etwa 15 Kilometer entfernt. Von Barcelona fährt der Regionalzug in rund anderthalb Stunden nach Girona. Frühjahr und Herbst sind die angenehmsten Reisezeiten. Wer am 23. April anreist, erlebt Sant Jordi, den Tag der Bücher und Rosen, als öffentliches Fest mitten in der Stadt.

Für eine Stadtführung empfiehlt sich eine Voranmeldung bei der Associació de Guies de Girona. Die Touren werden in mehreren Sprachen angeboten. Auch für das El Foment mit seinem Restaurant La Fonda ist eine Reservierung sinnvoll. Das Preisniveau ist moderat, die Nachfrage hoch.

Associació de Guies de Girona
Girona · guiesturisticsdegirona.com · Tel. +34 972 21 17 52

El Foment – La Fonda
Girona · elfoment.org · Tel. +34 972 21 07 76

Anna Aliu
Zertifizierte Fremdenführerin (Associació de Guies de Girona)

„Girona hat alles, was man braucht. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Perfekt.“

Anna Aliu führt Besucherinnen und Besucher durch Girona und erzählt dabei von der Geschichte und den Legenden ihrer Heimatstadt.

2. Pals – Eine Radtour und was zwischen den Reisfeldern steckt

An der Costa Brava wächst Reis. Wer das nicht weiß, fährt daran vorbei

Pals ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Dörfer Kataloniens: enge Gassen aus hellem Sandstein, eine romanische Wehranlage, weiter Blick aufs Mittelmeer. Rund um den Ort erstreckt sich die Ebene des Empordà.

Dort wächst Reis. Mitten an der Costa Brava, wenige Kilometer vom Strand entfernt, prägen Reisfelder und Feuchtgebiete eine Landschaft, die die meisten Urlauber schlicht nie zu sehen bekommen, weil sie am Steuer sitzen und am Horizont das Meer suchen. Martí von NaFent Bikes zeigt seinen Gästen genau diese andere Costa Brava. Seine geführten Fahrradtouren führen auf flachen Wegen durch die Felder, an traditionellen Bauernhöfen vorbei und durch Feuchtgebiete, in denen Reiher reglos auf Beute warten.

Das Tempo ist das Entscheidende. Wer mit dem Rad durch die Reisfelder fährt, versteht, wie Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus in dieser Region zusammenhängen. Mit jeder Pause wird klarer, wie eng Reisanbau, Naturschutz und Tourismus hier miteinander verbunden sind.

Wer nach der Tour weiterfahren möchte, findet mit den Vies Verdes ein ganzes Netz ehemaliger Bahntrassen, die heute als Radwege genutzt werden. Sie durchziehen die gesamte Provinz Girona und verbinden Küste, Dörfer und Naturparks auf mehreren hundert Kilometern.

Was hier anders läuft

NaFent Bikes führt Besucherinnen und Besucher in Feuchtgebiete und Agrarlandschaften, die vom klassischen Küstentourismus kaum wahrgenommen werden. Die Touren machen lokale Landwirtschaft und traditionelle Anbaumethoden erlebbar. Sie zeigen, wie eng Natur, Landwirtschaft und Tourismus hier miteinander verbunden sind. Die Vies Verdes nutzen bestehende Infrastruktur: Alte Bahntrassen werden zu Radwegen, die auch ländliche Gemeinden abseits der Touristenorte wirtschaftlich einbinden.

Wer hin möchte...

Pals liegt zentral an der Costa Brava, rund 45 Kilometer südlich von Girona. Die Fahrradtouren mit NaFent Bikes starten direkt vor Ort und sind auch für wenig geübte Radfahrerinnen und Radfahrer geeignet. Das Gelände ist flach, die Strecken überschaubar. Eine Voranmeldung wird empfohlen. Wer die Vies Verdes auf eigene Faust erkunden möchte, findet auf der Website alle Routen und Streckenkarten zum kostenlosen Download. Beste Reisezeit: Frühling und Herbst, wenn die Felder grün stehen und die Hitze noch ausbleibt.

NaFent Bikes, Pals · nafentbikes.com · Tel. +34 618 82 76 87
Consorci de les Vies Verdes de Girona, viesverdes.cat

Martí Carteura
Fahrradguide, NaFent Bikes, Pals

„Die Costa Brava lässt sich hervorragend mit dem Fahrrad entdecken. Wer die Region in Ruhe erleben möchte, sollte Juli und August meiden.“

Martí Carteura zeigt seinen Gästen die Costa Brava abseits der Küstenstraße. Seine Touren führen durch Reisfelder, Feuchtgebiete und kleine Dörfer rund um Pals.

3. Torre d'en Mornau – Ein Vogel, der eigentlich nicht mehr da sein sollte

Am Torre d'en Mornau beginnt für den Waldrapp die Rückkehr in die Freiheit

Auf dem Gelände des Torre d'en Mornau laufen Waldrappen über den Hof. Andere werden in großen Gehegen auf ihre Auswilderung vorbereitet. Dass diese Vögel heute wieder an der Costa Brava zu sehen sind, war lange Zeit kaum vorstellbar. Der Waldrapp galt in Europa seit dem 17. Jahrhundert als verschwunden. Jagd und der Verlust seines Lebensraums hatten die Bestände ausgelöscht.

Heute laufen auf dem historischen Gutshof im Hinterland der Costa Brava Wiederansiedlungsprogramme für die seltene Vogelart. Emma Palencia begleitet das Projekt und erklärt, was hier passiert. Die Tiere werden aufgezogen, an ihre natürliche Umgebung gewöhnt und schrittweise ausgewildert. So soll der Waldrapp wieder dort heimisch werden, wo er bis ins 17. Jahrhundert zum Landschaftsbild gehörte.

Besucherinnen und Besucher beobachten die Tiere, dokumentieren ihr Verhalten oder helfen bei Arbeiten auf dem Gelände.  Wer hier mitarbeitet, merkt schnell, wie viel Geduld hinter der Rückkehr des Waldrapps steckt.

Was hier anders läuft: Artenschutz und Mitarbeit

Das Ibis-Eremita-Projekt verbindet Artenschutz mit freiwilliger Mitarbeit. Besucherinnen und Besucher begleiten die Arbeit vor Ort und erhalten Einblicke in ein laufendes Wiederansiedlungsprogramm. So entsteht ein direkter Bezug zu den Herausforderungen des Naturschutzes, der weit über einen kurzen Besuch hinausgeht.

Wer hin möchte...

Der Torre d'en Mornau liegt im Empordà, rund 30 Kilometer nordöstlich von Girona. Am einfachsten ist das Gelände mit einem Mietwagen zu erreichen. Besuche sind nur im Rahmen geführter Aktivitäten möglich und müssen vorab gebucht werden. Die rund zweistündige Tour eignet sich auch für Familien mit Kindern. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind empfehlenswert.

Projekt Ibis Eremita – Torre d'en Mornau
Empordà · alivefund.org
 

Emma Palencia
Meereswissenschaftlerin, Fundació Alive

„Naturschutz funktioniert nur, wenn möglichst viele Menschen mitmachen können.“

Emma Palencia koordiniert Umweltbildungsprojekte der Fundació Alive. Gemeinsam mit Freiwilligen, Schulen und Unternehmen setzt sie sich für den Schutz bedrohter Vogelarten und ihrer Lebensräume im Empordà ein.
 

4. Cap de Creus – Wenn der Wein nach Meer schmeckt

Zwischen Felsen und Meer zeigen Weinberge, dass Landwirtschaft und Naturschutz zusammenpassen können

Von einer Anhöhe oberhalb der Weinberge reicht der Blick über die karge Landschaft bis zur Bucht von Roses. Dazwischen ziehen sich die Rebstöcke über steinige Hänge. Der Tramuntana, der kräftige Nordwind dieser Küste, fegt hier fast das ganze Jahr über die Landschaft. Rebstöcke, die hier überleben, tun das ohne viel Hilfe.

Domènec Ludeña vom Weingut zeigt auf die Weinberge unterhalb des Aussichtspunkts und erklärt, warum der Weinbau hier Teil des Naturparks ist. Die Flächen werden nur extensiv bewirtschaftet. Zwischen den Reben bleibt bewusst Platz für die natürliche Vegetation. Ein gepflegter Weinberg sieht hier wilder aus als anderswo.

Die Verkostung findet dort statt, wo der Wein wächst. An einem einfachen Holztisch, mit Blick über den Naturpark bis zur Bucht von Roses und das Mittelmeer, werden die Weine probiert. Manche erinnern an Kräuter, andere wirken salzig und mineralisch. Der Blick über den Naturpark gehört zur Weinprobe dazu. Kaum ein Ort macht deutlicher, wo dieser Wein herkommt.

Was hier anders läuft im Weinberg

Die Weinberge werden extensiv bewirtschaftet. Zwischen den Reben bleibt Raum für die natürliche Vegetation. So bleibt die Landschaft Teil des Naturparks und nicht nur Produktionsfläche. Landwirtschaft und Naturschutz ergänzen sich hier.

Wer das Weingut besuchen möchte...

Mas Marès liegt bei Roses im nördlichen Teil der Costa Brava, rund 60 Kilometer von Girona entfernt. Die Weinberge im Naturpark können nur im Rahmen geführter Besuche besichtigt werden. Eine Weinprobe auf dem Aussichtspunkt gehört zum Programm und sollte vorab direkt beim Weingut gebucht werden.

Espelt Viticultors, Mas Marès, Roses / Cap de Creus · espeltviticultors.com · Tel. +34 671 54 62 06

Domènec Ludeña
Guide, Espelt Viticultors – Mas Marès

„Ein Wein erzählt immer etwas über den Ort, an dem er wächst. Hier gehören der Wind und das Meer dazu.“

Domènec Ludeña begleitet Besucherinnen und Besucher durch die Weinberge von Mas Marès im Naturpark Cap de Creus. Dabei erklärt er, wie der Tramuntana, die Nähe zum Mittelmeer und ein naturnaher Weinbau den Charakter der Weine prägen.

5. L'Escala – Vom Hafen auf den Teller

Was morgens im Hafen anlandet, liegt mittags auf dem Teller

Pere Sabadí serviert gemeinsam mit einem Mitarbeiter die ersten Gerichte. Dazwischen nimmt sich der Inhaber und Chefkoch des Restaurant Miryam immer wieder Zeit, über den Fang des Tages zu sprechen. Sardellen, Makrelen und Thunfisch gehören regelmäßig dazu. Über die Anchovis aus L'Escala spricht er besonders gern. Die in Salz eingelegten Sardellen werden hier seit Jahrhunderten hergestellt und haben L'Escala weit über Katalonien hinaus bekannt gemacht.

Die Speisekarte richtet sich nach dem, was Meer und Region gerade hergeben. Fisch spielt die Hauptrolle, ergänzt durch saisonale Zutaten aus der Umgebung. Während des Essens erklärt Pere Sabadí immer wieder, warum an diesem Tag genau diese Arten auf den Teller kommen. Seine Begeisterung gilt dabei nicht ausgefallenen Rezepten, sondern guten Produkten und ihrer Herkunft.

Nur wenige Schritte vom Restaurant entfernt liegen die Fischerboote im Hafen. Von dort kommt ein großer Teil dessen, was später in der Küche verarbeitet wird. Die Wege sind kurz und der Bezug zum Meer bleibt jederzeit sichtbar.

Was hier anders läuft: Fisch aus der Region

Das Restaurant Miryam verarbeitet überwiegend Fisch aus der Region und orientiert sich an saisonal verfügbaren Produkten. Kurze Lieferwege und traditionelle Zutaten prägen die Küche. Die Anchovis aus L'Escala gehören seit Jahrhunderten zur kulinarischen Identität des Ortes und stehen bis heute auf vielen Speisekarten.

Wer hin möchte: Restaurant Miryam

L'Escala liegt rund 40 Kilometer nordöstlich von Girona und ist mit dem Mietwagen gut zu erreichen. Für das Restaurant Miryam empfiehlt sich besonders in den Sommermonaten eine Reservierung. Wer mehr über die Geschichte der Anchovis erfahren möchte, findet im Anchovis- und Salzmuseum Informationen zur traditionellen Herstellung und zur Bedeutung der Fischerei für L'Escala. Der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch den historischen Ortskern verbinden.

Restaurant Miryam (L’Escala) · restaurantmiryam.com · Tel.: +34 972 77 02 87

6. L'Estartit – Ein Naturpark unter Wasser

Vor L'Estartit beginnt eine Landschaft, die von Land aus kaum zu erkennen ist

Vom Hafen in L'Estartit geht es zunächst entlang der zerklüfteten Küste. Die Tour führt vorbei an kleinen Inseln, durch ein schmales Felstor und kurz in eine dunkle Höhle. Vor den Illes Medes wird das Boot langsamer.

Der Meeresbiologe Boris Weitzmann greift zum Mikrofon und zeigt auf das Wasser. Unter dem Boot liegen künstliche Brutplätze für Sepien, eine Tintenfischart, die dort ihre Eier ablegen soll. Von der Wasseroberfläche aus ist davon nichts zu sehen. Doch die Brutplätze sind nur ein Teil des Schutzkonzepts. Boris erklärt, warum Boote nur an festen Bojen festmachen dürfen, Taucherinnen und Taucher bestimmte Bereiche meiden und Fischerinnen und Fischer heute eng mit Wissenschaft und Behörden zusammenarbeiten. Jede dieser Maßnahmen soll dazu beitragen, den empfindlichen Lebensraum unter Wasser dauerhaft zu erhalten.

Vom Deck aus wirkt das Meer ruhig und unverändert. Erst die Erklärungen machen sichtbar, wie viele Regeln und Projekte nötig sind, damit dieses Ökosystem erhalten bleibt.

Was hier anders läuft: Meeresschutz gemeinsam gestalten

Im Naturpark Montgrí, Illes Medes i Baix Ter arbeiten Fischerinnen und Fischer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Behörden seit mehreren Jahren zusammen. Künstliche Brutplätze unterstützen die Fortpflanzung der Sepien. Feste Bojen schützen den Meeresboden vor Ankern, Tauchgebiete werden gelenkt und Besucherinnen und Besucher erfahren auf den Bootsausfahrten, warum diese Maßnahmen notwendig sind.

Wer hin möchte: Bootstour durch den Naturpark

L'Estartit liegt rund 45 Kilometer von Girona entfernt, direkt am Naturpark Montgrí, Illes Medes i Baix Ter. Die Ausfahrten finden je nach Wetter und Saison statt und sollten vorab gebucht werden. Die Tour führt entlang der Felsküste und zu den Illes Medes. Unterwegs erklärt Boris Weitzmann die Schutzmaßnahmen im Naturpark und zeigt, wie Naturschutz, Fischerei und Tourismus miteinander verbunden werden.

Projekt Sèpia L'Estartit · projectesepia.com · Kontakt: Boris Weitzmann
Bootsausfahrten barcanuria.com

Boris Weitzmann
Meeresbiologe, Projekt Sèpia

„Meeresschutz funktioniert nur gemeinsam. Mit den Fischern genauso wie mit den Menschen, die hier Urlaub machen.“

Boris Weitzmann begleitet das Projekt Sèpia im Naturpark Montgrí. Gemeinsam mit Fischerinnen und Fischern arbeitet er daran, den Lebensraum der Sepien langfristig zu erhalten und Besucherinnen und Besucher für den Meeresschutz zu sensibilisieren.

7. Palamós – Lernen, was auf den Teller kommt

Das einzige Fischereimuseum Kataloniens erzählt von einer Tradition, deren Zukunft nicht mehr selbstverständlich ist

Am frühen Nachmittag riecht der Hafen von Palamós nach Salz und Diesel. Die Fischerboote liegen noch an der Pier, die Netze hängen zum Trocknen. In wenigen Stunden laufen viele von ihnen wieder aus.

Direkt am Hafen steht das Museu de la Pesca. Es erzählt vom Alltag der Fischer, vom Knüpfen der Netze, vom Bootsbau und vom Handel mit dem Fang. Beim Rundgang stellt sich eine Frage: Was bleibt davon, wenn die Fischbestände weiter sinken?

Nur wenige Schritte weiter richtet der Koch des Espai del Peix die ersten Teller an. Währenddessen erzählt er vom Fang des Tages, von weniger bekannten Fischarten und davon, warum nicht immer dieselben Arten auf den Teller gehören. Was die Fischer morgens an Land bringen, bestimmt, was später serviert wird.

Was hier anders läuft: Fischerei verständlich machen

Das Museu de la Pesca und der Espai del Peix zeigen, wie eng Fischerei und Küche zusammengehören. Verarbeitet wird vor allem Fisch aus der Region. In Kochkursen lernt man, wie sich auch weniger bekannte Fischarten zubereiten lassen und warum sie auf den Speiseplan gehören.

Wer hin möchte: Museum und Espai del Peix

Palamós liegt rund 40 Kilometer südöstlich von Girona und ist mit dem Mietwagen gut erreichbar. Das Museu de la Pesca ist dienstags bis sonntags geöffnet. Im Espai del Peix finden regelmäßig Kochkurse und Mittagessen mit regionalem Fisch statt. Für beide Angebote empfiehlt sich eine Reservierung.

Museu de la Pesca & Espai del Peix
Palamós · museudelapesca.org 

8. Camí de Ronda – Zu Fuß an der Steilküste

Der Wanderweg Camí de Ronda führt zwischen Platja La Fosca und Platja del Castell über schmale Pfade, durch Pinienwald und immer wieder dicht am Meer entlang

Der Wind kommt von vorne. Zwischen Platja La Fosca und Platja del Castell führt der Camí de Ronda durch Pinienwälder, vorbei an niedrigen Trockensteinmauern und immer wieder hinaus auf die Felsen über dem Meer. Hinter fast jeder Kurve öffnet sich ein neuer Blick auf das Wasser.

Ein kurzes Teilstück genügt, um den Charakter des Camí de Ronda kennenzulernen. Mal reicht der Blick weit hinaus auf das offene Mittelmeer. Dann liegt plötzlich eine kleine Bucht unterhalb des Weges. Schlichte, weiß getünchte Häuser schmiegen sich an die felsige Küste, dahinter wachsen Pinien bis fast ans Wasser. Wenige Minuten später verschwindet der Pfad wieder zwischen den Bäumen.

Der Camí de Ronda verläuft entlang der gesamten Costa Brava. Einst nutzten Schmuggler die abgelegenen Küstenpfade. Heute verbindet der Weg Buchten, Strände und Küstenorte. Schon auf wenigen Hundert Metern zeigt er eine Seite der Costa Brava, die vom Auto aus verborgen bleibt.

Was hier anders läuft: Wandern statt Straßen bauen

Der Camí de Ronda erschließt viele Küstenabschnitte, ohne dass neue Straßen gebaut werden müssen. Wer zu Fuß unterwegs ist, verteilt sich entlang der Küste, statt sich auf wenige Strände oder Aussichtspunkte zu konzentrieren. Das entlastet stark besuchte Bereiche und macht gleichzeitig weniger bekannte Buchten erreichbar.

Wer hin möchte: Kurze Etappe mit großem Ausblick

Der Camí de Ronda ist rund 190 Kilometer lang und lässt sich in zehn oder mehr Tagesetappen erwandern. Wer nicht die gesamte Strecke gehen möchte, findet zahlreiche gut ausgeschilderte Teilstücke. Der Abschnitt zwischen Platja La Fosca und Platja del Castell bei Palamós eignet sich gut für eine kurze Wanderung. Stellenweise führt der Weg über Felsen und unbefestigte Abschnitte. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert. Im Sommer lohnt sich ein früher Start, wenn die Temperaturen noch angenehm sind.

Camí de Ronda: camideronda.com
Vies Verdes de Girona: viesverdes.cat

Nicole Biarnés
Reisejournalistin und Autorin, Freibeuter Reisen

„Die Landschaft ist wunderschön. Geblieben bin ich wegen der Menschen.“

Nicole Biarnés lebt seit vielen Jahren in Katalonien. Als Reisejournalistin und Autorin zeigt sie die Region aus der Perspektive einer Wahlkatalanin und schreibt über Kultur, Kulinarik und das Leben vor Ort.

9. Lloret de Mar – Ein Garten über dem Rummel

Oberhalb der Cala Boadella liegt ein Ort, der kaum zu dem Bild passt, das viele mit Lloret de Mar verbinden

Lloret de Mar wird bis heute vor allem mit Partytourismus verbunden. Volle Strände, laute Nächte und Sangria aus Eimern prägen das Bild vieler Urlauber. Das stimmt. Und es stimmt nicht mehr ganz.

Oberhalb der Cala Boadella, auf einer Klippe mit Blick über das Mittelmeer, liegen die Jardins de Santa Clotilde. Der Garten entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil des Noucentisme und orientiert sich an italienischen Renaissancegärten. Zypressen, Terrassen und Skulpturen bestimmen das Bild. Das Rauschen des Meeres ist näher als die Geräusche der Stadt. Wer hier automatisch nach dem Rummel des Ortes sucht, wird ihn nicht finden.

Sandra, mitverantwortlich für die Tourismusstrategie von Lloret de Mar, erklärt, warum die Stadt ihr Angebot seit einigen Jahren breiter aufstellt. Natur, Kultur und ruhigere Orte sollen Besucherinnen und Besucher über das ganze Jahr hinweg ansprechen. Ob dieser Kurs aufgeht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Der Garten musste sich nicht verändern. Der Blick auf ihn hat sich verändert.

Was hier anders läuft: Natur und Kultur stärken

Lloret de Mar erweitert seit einigen Jahren sein Angebot um Natur und Kultur. Die Jardins de Santa Clotilde gehören zu den Orten, die Besucherinnen und Besucher bewusst auch abseits der Strandpromenade führen.

Wer hin möchte: Der Garten über der Bucht

Die Jardins de Santa Clotilde liegen zwischen der Cala Boadella und dem Strand von Fenals und sind vom Ortszentrum aus gut zu Fuß erreichbar. Am frühen Morgen oder späten Nachmittag ist es meist deutlich ruhiger.

Jardins de Santa Clotilde
Lloret de Mar · lloretdemar.org · Tel. +34 972 37 04 71

Maria Rizzolo
Zertifizierte Fremdenführerin (Guia de Turisme de Catalunya)

„Man muss nicht hier geboren sein, um die Costa Brava zu lieben. Man muss sie nur kennenlernen.“

Maria Rizzolo stammt aus einem anderen Teil Spaniens und lebt heute in Katalonien. Als zertifizierte Fremdenführerin vermittelt sie Besucherinnen und Besuchern die Geschichte und Kultur der Costa Brava.

10. Drei Hotels – ausprobiert

Alle drei Hotels wurden während der Recherche selbst ausprobiert.

Hostal Empúries, L'Escala

Direkt am Meer gegenüber der archäologischen Ausgrabungsstätte Empúries liegt eines der traditionsreichsten Hotels der Costa Brava. Das Haus wurde 1907 für Archäologen erbaut und war das erste Hotel Spaniens mit einer LEED-Gold-Zertifizierung. Ressourcenschonendes Bauen, eigene Energieerzeugung und eine Küche mit regionalen Produkten gehören zum Konzept.
hostalempuries.com

Ecohotel Can Mascort, Palafrugell

Ein inhabergeführtes Hotel in einem restaurierten Stadthaus im historischen Zentrum von Palafrugell. Natürliche Materialien, kurze Lieferwege und eine ruhige Atmosphäre prägen das kleine Haus. Die Strände von Calella de Palafrugell sind rund vier Kilometer entfernt.
canmascortecohotel.com

Hotel Bell Repòs, Platja d'Aro

Familiengeführtes Hotel mit Biosphere-Zertifizierung, Garten und Fahrradverleih. Im Restaurant stehen regionale Produkte auf der Speisekarte. Der Strand ist in wenigen Gehminuten erreichbar.
hotelbellrepos.com

Victor Serra
Marketingleiter, Patronat de Turisme Costa Brava Girona

„Wir wollen nicht weniger Tourismus. Wir wollen einen Tourismus, der besser zur Costa Brava passt.“

Victor Serra gehört zu den Köpfen hinter der touristischen Neuausrichtung der Costa Brava. Viele der Projekte, die in diesem Artikel vorgestellt werden, sind Teil dieser Entwicklung.

Was bleibt

Viele der vorgestellten Orte bauen auf dem auf, was die Costa Brava seit Langem ausmacht: traditionelle Fischerei, regionale Küche, historische Wege und den Schutz der Natur. Genau das macht sie glaubwürdig.

Wer sich Zeit nimmt und auch einmal die bekannten Strände verlässt, entdeckt Wanderwege entlang der Steilküste, Restaurants mit regionaler Küche, Weingüter mitten im Naturpark oder Projekte, bei denen Besucherinnen und Besucher Einblicke in den Natur- und Artenschutz erhalten. Vieles davon liegt nur wenige Kilometer von den klassischen Urlaubsorten entfernt.

Für Reisende bedeutet das vor allem eines: mehr Begegnungen, mehr Einblicke und eine Costa Brava, die sich Stück für Stück erschließt.

Text und Bilder: Ertay Hayit

Stand: 07/2026

Hinweis des Autors Ertay Hayit, Chefredakteur Fernweh.de

Ich war vier Tage und drei Nächte an der Costa Brava. Die Recherchereise erfolgte auf Einladung des Patronat de Turisme Costa Brava Girona und wurde vom Spanischen Fremdenverkehrsamt (Turespaña) in Frankfurt organisiert. Das hat meine Berichterstattung nicht beeinflusst. Ich bin nicht wirtschaftlich von einer Einladung abhängig und berichte immer im Sinne unserer Leserinnen und Leser und ohne redaktionelle Vorgaben.

Nachhaltiger Tourismus beschäftigt mich seit vielen Jahren. Auf meinen Reisen erlebe ich immer wieder, welche Folgen es hat, wenn sich Besucherströme auf wenige Orte konzentrieren. Die Costa Brava bot die Gelegenheit, Projekte kennenzulernen, die neue Wege gehen. Das hat mir sehr gefallen. Alle beschriebenen Orte habe ich selbst besucht. Alle Eindrücke und Bewertungen beruhen auf eigenen Recherchen und Gesprächen vor Ort.

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