Der oberrheinische Kulturraum im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz, in dessen Herzen das Markgräflerland liegt, kann auf eine 2000-jährige Kulturgeschichte zurückblicken. Zahlreiche römische Ausgrabungsstätten sowie Burgen sind die Zeugnisse dieser Vergangenheit. Anlass genug für die Markgräfler Gemeinden Badenweiler, Heitersheim und Müllheim diesem historischen Erbe einen eigenen Wander- und Radweg zu widmen.
Am 5. September 2010 wird im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg der neue Markgräfler Römerweg feierlich eröffnet. Er führt zu allen wichtigen Fundstätten der römischen Zeit. Aber nicht nur entlang dieser Strecke kann der Wanderer Spuren der Geschichte entdecken: Weitere Routen führen zu den ritterlichen Burgen und Schlössern im Markgräflerland.
Markgräfler Römerweg
Über einen Zeitraum von 300 Jahren erstreckte sich die Besiedlung des Oberrheins durch die Römer. Gerade im Markgräflerland befinden sich einige der wichtigsten Funde aus dieser Zeit: die römische Heilthermen-Anlage in Badenweiler, das Hauptgebäude eines römischen Gutshofs in Müllheim sowie die Villa urbana in Heitersheim. Anlass genug für diese Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Institut für provinzialrömische Archäologie der Universität Freiburg und anderen Institutionen diese drei Fundstätten mit einem Panoramaweg zu verbinden, der quer durch die Weinberge und malerischen Orte der Region verläuft. Die 15,5 Kilometer lange Strecke, die mit dem Römerweg-Zeichen gekennzeichnet ist, führt über Badenweiler und Müllheim nach Heitersheim und ist für Jung und Alt gleichermaßen geeignet.
Station 1 Römische Badruine Badenweiler: Schon beim Start kann sich der Wanderer gleich ein eindrucksvolles Bild darüber verschaffen, wie es die Römer vor rund 2000 Jahren verstanden, Geist und Körper mit Hilfe der Thermalquellen in Form zu halten. Das Bad zählt zu den am besten erhaltenen Thermenruinen nördlich der Alpen. Sie wurde erst im Jahr 1784 entdeckt. Der 100 Meter lange Bau war mit vier großen Thermalwasseranlagen ausgestattet, an die sich Schwitzräume und Kaltwasserbecken anschlossen. Seit dem Jahr 2001 wird die Ruine durch ein architektonisches Kunstwerk aus Glas geschützt. Nicht weit von der Ruine entfernt steht ein weiteres römisches Bodendenkmal – ein Umgangstempel.
Station 2 Villa rustica Müllheim: Eine weitere größere Anlage römischen Ursprungs liegt in Müllheim unter der Kirche St. Martin. Dabei handelt es sich um das Hauptgebäude eines römischen Gutshofs. Empfehlenswert ist hier der Besuch des Markgräfler Museums im Blankenhorn-Palais, einem der bedeutendsten Museen am Oberrhein. Dort erhalten die Besucher im Rahmen einer Dauerausstellung einen Überblick über die römische Besiedlung der ganzen Region.
Station 3 Villa urbana Heitersheim: Das Ziel des Römerwegs ist ein weiteres außergewöhnliches Zeugnis der römischen Bautätigkeit im Markgräflerland: Die Villa urbana in Heitersheim zeigt die Reste eines luxuriös ausgestatteten römischen Landhauses aus der Zeit um 30 n. Chr., die erst 1991 freigelegt worden sind. Das Gebäude war als typisches italienisches Landhaus eines reichen Römers angelegt. Sie diente ihrem Besitzer als angenehme Sommerresidenz mit Badehaus, Säulenhallen, Blumengärten und herrschaftlichen Gemächern. Fließendes Wasser und eine Fußbodenheizung sorgten für geradezu modernen Komfort. Zum Schutz der Funde wurde im Jahr 1997 ein architektonisch ansprechendes Römermuseum in Form eines Glasgebäudes über der einstigen Villa errichtet. Dort veranschaulicht heute ein Modell das Ausmaß der Anlage, wie sie bis zur Entdeckung im Jahr 1989 nicht im Süden Deutschlands vermutet wurde.
Burgen und Schlösser
Weitere interessante Zeugnisse der Geschichte sind auch die Burgen und Schlösser der Region. Zwei Ziele kann der Wanderer sogar über den Römerweg erschließen: die Burg Neuenfels zwischen dem Kurort Badenweiler und dem Weindorf Britzingen und das Malteserschloss in Heitersheim, das teilweise auf dem Gelände der Villa urbana gebaut wurde. Die Burg Neuenfels, die nur zu Wohn- und nicht zu militärischen Zwecken genutzt wurde, wurde erstmals im Jahr 1307 erwähnt. Ein Rätsel bis heute ist das Ende der Burg, deren Bewohner nach Berichten Ende des 16. Jahrhunderts eines Morgens tot aufgefunden wurden. Heute genießt man von der Aussichtsplattform auf den Zinnen der Burg einen herrlichen Rundblick über das Markgräflerland bis hin zum Schweizer Jura. Das imposante Malteser-schloss stammt aus dem 16. Jahrhundert und gilt als eine der größten Niederungsburgen Süddeutschlands. Es diente bis 1806 als Sitz der deutschsprachigen Sektion des Malteserordens. Im Schlossmuseum können sich die Besucher über die Geschichte der Malteser und Johanniter informieren.
Zwei historische Kleinode sind auch die Ruine Sausenburg und das Schloss Bürgeln. Beide lassen sich von der Töpferstadt Kandern aus bei einer Tagestour besichtigten. Die Sausenburg wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert während des Erbfolgekriegs zerstört und erst wieder 1856 entdeckt. Die Ruine bietet heute vom Turm aus einen schönen Blick über die Rheinebene. Das Schloss Bürgeln ist das Markenzeichen des Markgräflerlandes und schon alleine eine Tagestour wert. Die erste Bebauung auf einem Ausläufer des nahen Hochblauen geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Nach mehreren Zerstörungen entstand unter Abt Meinrad von St. Blasien der heutige Barockbau. Im Jahr 1920 übernahm der Bürgeln-Bund e.V. die Pflege und Restaurierung der Anlage. Nicht nur Führungen und Konzerte sowie der wunderschöne Blick auf das Dreiländereck machen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis. Einen ausgezeichneten Ruf hat auch die Schlosswirtschaft, wo Hans Adam-Eglin, der Wirt des Traditions-gasthauses Ochsen im nahen Feldberg, eine hervorragende badisch-markgräflerische Küche zelebriert.
A propos Genüsse: Wer sich auf Schusters Rappen auf die geschichtliche Spurensuche im Markgräflerland begibt, kann in jeder Ecke die vielen kulinarischen Annehmlichkeiten der Region genießen. Entlang der Wanderstrecke finden sich zahlreiche Weingüter, Straußenwirtschaften, Gaststätten und Restaurants mit einer gepflegten Küche für alle Geschmäcker. Auch da gibt es vieles zu entdecken, denn wer kennt schon „Schäufele mit Brägele“, „Bibiliskäs“ und nicht zuletzt die „Zwiebelwaie“, die in der bevorstehenden Weinlesezeit mit dem süffigen „Fäderwisser“ auf der Vesperkarte angeboten wird.