Ägypten, Griechenland, Tunesien, die Türkei: Deutsche Urlauber haben sich in den letzten Monaten zurückgehalten, was ihren Ruf als Urlaubsweltmeister angeht. Denn immer wieder kommt ein neues krisengebeuteltes Land hinzu, bei dem sich Reisewillige die Frage stellen, ob sie dort noch Urlaub machen können oder wollen.
Entsprechend liegt die Anzahl der Urlaubsbuchungen insgesamt noch unter den Werten der Vorjahre. Eine Ausnahme stellen viele Ziele im westlichen Mittelmeer dar, die stärker nachgefragt sind. Nach Ostern rechnet die Branche jedoch mit generell deutlich steigenden Buchungszahlen.
Doch ist der Sommerurlaub 2016 unter diesen Voraussetzungen in den beliebtesten Ferienregionen überhaupt noch erschwinglich? Wie viel muss eine dreiköpfige Familie für einen Pauschalurlaub in den europäischen und nordafrikanischen Strandzielen ausgeben?
Die Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners hat die Preise für die zehn beliebtesten europäischen Pauschalurlaubsziele der Deutschen untersucht. Demnach sind Türkei und Ägypten nach wie vor die günstigsten Reiseziele, am teuersten ist Mallorca. „Die Reihenfolge des Rankings war zu erwarten, jedoch nicht der immense Preisunterschied von über 100 Prozent zwischen dem günstigsten und dem teuersten Ziel“, bemerkt Studienautor Christoph Lesch, Director bei Simon-Kucher.
Für spanische Ziele muss der deutsche Urlauber am tiefsten in die Tasche greifen
Bei der Holiday Pricing Study* wurden die Preise eines zweiwöchigen All-Inclusive-Urlaubs in einem guten Vier-Sterne-Hotel für eine dreiköpfige Familie verglichen. Am günstigsten schnitt dabei die Türkei ab, hier zahlt man durchschnittlich 698 Euro pro Person.
In Ägypten ist man im Schnitt mit 894 Euro und in Tunesien mit 922 Euro pro Person dabei. Ob aktuell Krisenregion oder nicht: diese Länder weisen schon seit Jahren das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf.
Für einen Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Mallorca, muss der Urlauber mit durchschnittlich 1410 Euro pro Person doppelt so viel bezahlen wie für die Türkei. 
Für Familien lohnt es sich außerdem darauf achten, in welchen Regionen vergünstigte Preise für Kinder angeboten werden, denn sehr oft bezahlt man auch für ein achtjähriges Kind den vollen Preis. In Bulgarien, Ägypten, Tunesien und den Kanaren bieten jedoch besonders viele Hotels und Reiseveranstalter reduzierte Preise für Kinder an. „Gerade für Familien mit zwei oder mehr Kindern kann das schnell ein paar Hundert Euro ausmachen“, stellt Lesch fest.
Wer sich also über die Ostertage vorgenommen hat, den Sommerurlaub zu planen, der kann mit der Wahl des Ziels Geld sparen, ohne bei der Hotelqualität Abstriche machen zu müssen. Besonders für die Türkei finden sich aktuell noch sehr viele günstige Angebote.
Wer mit dem Gedanken an einen Türkeiurlaub spielt aber krisenbedingt unsicher ist, dem rät Lesch, ein Reisebüro aufzusuchen: „Die Reisebüros sind über die Sicherheitslage und eventuell vorliegende Reisewarnungen des Auswärtigen Amts informiert und können dem Urlauber wertvolle Ratschläge geben“.
Sicherheitsdenken beschert Pauschalreisen Renaissance
Generell spricht viel dafür, den Urlaub als Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter wie TUI, Neckermann, Dertour & Co. zu buchen. Jahrelang als Auslaufmodell verschrien, erlebt die Pauschalreise im internationalen Krisenumfeld ein verdientes Comeback. Denn wer Flug, Hotel und Transfer als Paket bucht, genießt einige Vorteile gegenüber der direkten Einzelbuchung bei Airline und Hotel.
Im Krisenfall bieten die meisten Reiseveranstalter unbürokratisch eine kostenlose Umbuchung auf alternative Ziele an. Den Urlaubern vor Ort organisieren sie schnellst möglich eine sichere Heimreise. Wer einzeln bucht trägt in beiden Fällen Risiko, Kosten und Koordination selbst. „Da stellt sich durchaus die Frage, ob es das wert ist und man hier nicht am falschen Ende spart“, so Lesch.
Last Minute-Schnäppchen nicht in Sicht
Wer für den Sommer eine Urlaubsreise plant, der sollte sich mit der Buchung nicht mehr allzu viel Zeit lassen. „Die Nachfrage konzentriert sich 2016 noch stärker als in den letzten Jahren, wodurch mittelfristig die Preise anziehen werden“, warnt Lesch. Gerade in gefragten Zielen wie den Kanaren und Mallorca lägen die Preise aktuell schon fast zehn Prozent über dem Vorjahresniveau und einige Hotels seien bereits fast ausgebucht. Auf Last Minute-Schnäppchen solle man daher lieber nicht spekulieren.
*Holiday Pricing Study 2016: Untersucht wurden die Preise von je 20 Hotels in den genannten Regionen. Auswahlkriterien für die Hotels waren: 4 Sterne, Weiterempfehlungsrate von über 80 Prozent basierend auf mindestens 100 Bewertungen, von mindestens einer der sechs größten Reiseveranstaltern (TUI, Thomas Cook, DER Touristik, Alltours, FTI, Schauinsland Reisen) oder ihren Submarken angeboten. Erfüllten mehr als 20 Hotels die Kriterien, wurden die Hotels mit dem günstigsten Preis ausgewählt. Für den Preisvergleich wurden folgende Kriterien zugrunde gelegt: Flugreise ab Düsseldorf vom 23.07.2016 bis 06.08.2016; 2 Erwachsene, 1 Kind (8 Jahre); günstigste verfügbare Zimmerkategorie; All Inclusive Verpflegung. Es wurden nur Angebote mit geprüfter Verfügbarkeit berücksichtigt. Zeitraum der Erhebung: 14./15. März 2016.
Urlaub auf Mallorca doppelt so teuer wie in der Türkei
Mallorca - beliebt aber teurer als andere Destinationen (Foto: Turespaña)
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